«dich frisst der tagen ainst ain switzer kuo!»
SCHLACHTPLATTEN
oder «dich frisst der tagen ainst ain switzer kuo!»
Ein Identitätsprojekt in 4 Episoden und in «guoter eidgnossischer sprach»
Mit Texten von Stefanie Grob, Huldrych Zwingli und anderen Bauernopfern
Pünktlich zur Fussball-EM findet die Schweiz zurück zu ihren Ursprüngen. Die Gefahr
der Überdeutschung, Fremdbestimmung und des Identitätsverlustes ist heute wieder fast so
gross, wie zu Zeiten von Friedrich Schillers Willhelm Tell. Und man fragt sich, ob es in diesem
vergifteten Klima nicht besser wäre, wenn kein Schwabe (sei er nun Franzose oder
Österreicher) sich für das Turnier qualifizieren würde, da es für
Aussenstehende schlicht zu diffizil ist, an unserer komplexen Gemütslage teilhaben zu wollen.
Ansonsten heisst es dann womöglich plötzlich: «Europa zu Gast bei
Feinden».
Das Eigentümliche unserer Mentalität gründet gerade in der Gleichzeitigkeit
solch eklatanter Widersprüche, deren Wurzeln weit zurückreichen und die deshalb nur
für Eingeweihte nachzuvollziehen sind. So zogen beispielsweise unsere Vorfahren aus, um mit
«gerechtem Glouben», Gottes Segen und im Namen der Freiheit, zu plündern, zu
schänden und um Freund, Feind und wehrlose Gefangene mitleidlos abzuschlachten – weshalb
wir auch noch heute den Vermögen von sadistischen Despoten ebenso Asyl gewähren
können, wie dem IKRK.
Alles Widersprüche, die das Land zugegebenermassen polarisieren und in zwei
unversöhnliche Lager spalten. Nicht minder seltsam ist aber eben gerade deswegen dieser
archaische Herdenreflex namens «Eidgenossenschaft», der trotz aller Gräben bis
heute erhalten ist. Diese Flickendecke, die aus Sprachbarrieren-, Kantönligeist- und
Lokalpatriotismus-Blätzen zusammengehalten wird. Die sich trotz all einstiger primitiver
Abmurkserei in ein äusserst erfolgreiches politisches System wandeln konnte und zu einer
ausgeprägten humanitären Tradition fand? Was ist denn also noch in uns von unseren
glorreichen Vorfahren, die zum guten Teil wahrscheinlich ganz normale gottesfürchtige
Sodomiten und Inzestler waren? Fragen, die die Schweiz bewegen dürften – und das in
einem 4-teiligen Saubannerzug quer durch die Geschichtsschreibung. Von «A» wie
Morgarten bis «Z» wie Zwingli.
«Der Scharfrichter soll sie ussfüeren über eine freie Richstrass an die
gewohnte Richtstätt, daselbst ihr das Haupt abschlagen und zwey Stuck uss ihr machen, dass ein
Karrenrad zwüschet durhin möge und dann den Körper auf einen Scheiterhaufen legen,
den anzünden, selbige mit Haut und Haar, Fleisch, Marg und Bein zu Bulver und Eschen
verbrennen und dann die Eschen so tief in die Erde vergraben, dass keiner Creatur hadurch Schad
widerfahren möge und dann die Seel Gott und die Esche der Erde befehlen. Und wenn sie eine
bescheidentliche Bicht begehrt, ist ihr solches zugelassen.»
In diesem Sinne heissen wir Europa mit dem irritierend subversiven Schlachtruf willkommen:
«Wir sind Wer! Aber wer?! Schreibt Euch das hinter die Ohren!»
Mit: Thomas U. Hostettler, Sandra Utzinger, Hansjürg Müller, Herwig Ursin, Ewelina
Guzik, Michael Wolf und viele andere
Inszenierung: Michel Schröder
Text: Stefanie Grob
Bühnenbild: Duri Bischoff
Kostüme: Nic Tillein
Video: Roland Schmidt
Realisation: Martin Roth
Licht: Christa Wenger, blendwerk
Produktion: Thomas Keller
Koproduktion: kraut_produktion und Theaterhaus Gessnerallee Zürich
Dank Unterstützung von: Präsidialdepartement der Stadt Zürich
Vorstellungen
1. Episode: 5. / 6. / 8. Mai 2008
2. Episode: 19. / 21. / 22. Mai 2008
3. Episode: 3. / 4. / 5. Juni 2008
4. Episode: 23. / 24. / 27. Juni 2008
Theaterhaus Gessnerallee Zürich, P3
5. Episode: 3. / 4. Juli 2008
Belluard Festival Fribourg
6. Episode: 19. / 20. September 2008
Kaserne Basel, Saisoneröffnung
7. Episode: 18. / 19. November 2008
Centre Culturel Suisse Paris
8. Episode: 7. / 9. / 10. Januar 2009
Schlachthaus Theater Bern