HERZ DER FINSTERNIS
Ein Theaterprojekt nach Joseph Conrad
VIVI
Wir haben heute Abend gesammelt und ich würde sagen, wir schauen jetzt einfach mal, was uns
die Zuschauer mitgegeben haben.... Hier ist er noch einmal, der grossartige Ronald McDonald, meine
Damen und Herren! Da kommt er... Komm ruhig ein bisschen näher zu mir, Ronald. Es geht ans
grosse Finale... Ronald!: Ich versuche ein bisschen in deinem Gesicht zu lesen: Wo stehen wir im
Augenblick?
THOMAS
Ich wills mal ein bisschen anders sagen. Du hast bescheidener weise nicht gesagt, dass Dein Vater
ein grossartiger Dirigent war – und sie selbst ja ein so humanistischer und engagierter
grossartiger Dirigent dieser Organisation ist, mit einem riesen Engagement. Und das nicht nur Tag
für Tag, sondern Jahr für Jahr, mit einem grossartigen Beispiel für uns alle,
äh, Erich Kästner hat gesagt: «Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es» - und
wir tun es tagtäglich. Nun haben wir leichtsinnigerweise am Anfang diese Wette gemacht... Und
damals war das bereits ein Riesenbeitrag, der hier äh gekommen ist. Und zwar von einem Drittel
der Zuschauer, die am Fernsehen waren. Nun ich weiss nicht, wenn man nun von eins, von einem
Drittel ausgehen würde... also die Summe... Ich könnte den Rest, sagen wir mal, wenn es
nicht aufgegangen wäre, gar nicht drauflegen, wenn’s analog zu unserer Wette ausgegangen
wäre und das in... äh, aber wir haben ja heute Euro. Kommt dazu: beim letzten Stand waren
ja noch gar nicht die grossartigen äh äh Zusätze, die wir besonders hier vom äh
ich stell mich so hin, vom linken Flügel bekommen haben. Wenn man die mit dazu addiert und man
glaubt es gar nicht und ich will daraus auch gar keinen Gägg oder einen Spass machen, wer das
gewesen sein kann, dass noch mal ein... ein nicht genannter Spender, äh, den wir registrieren
haben und von dem wir auch diesen Beitrag für die Organisation bekommen, jetzt haltet Euch
fest.... Der so viel gespendet hat, ich sag im Anschluss, was eine Einzelperson gespendet hat, dass
folgender Beitrag rauskommt. Und da ich dieses Land gerochen habe, diesen Kontinent geschmeckt
habe, diese Menschen angefühlt habe und umarmt und getröstet habe, tut es mir so gut,
dieses Resultat zu nennen und dass du deine Arbeit weiterhin so erfolgreich leisten kannst...
Bitteschön:
VIVI
Liebe – Menschen. Ich bin zutiefst dankbar und ein schöneres Geburtstagsgeschenk
hätte ich mir nicht wünschen können. Dass ihr alle mit so viel Vertrauen, ihr, die
wir hier zusammen sind und alle Menschen, die es über die Medien gemacht haben, einen so
ungeheuren Beitrag gespendet haben, dass wir viel damit in Afrika machen können, und es ist ja
nicht ein Geschenk für mich, ein Geburtstagsgeschenk, das Geschenk ist das Vertrauen. Und ihr
habt mir ein Vertrauen geschenkt, wofür ich zutiefst jeder und jedem einzelnen meinen Dank
sagen möchte und so lange ich lebe, so lange mir – die Natur die Kraft gibt, mit euch zu
sein, werde ich alles tun, um das abzubauen, was wir nicht haben dürfen auf der Welt, so
ungeheure Armut auf unserem gemeinsamen Planeten, mit den Menschen, die mit uns zusammenleben. Ich
danke euch allen für das Vertrauen. Bitte macht weiter so!
Wir hängen ein bisschen... Ich würde sagen, wir machen mal ganz kurz die Bühne
frei, ein klein wenig, vielleicht kommst du einfach mal ganz kurz auf die andere Seite, Ronald.
Geben wir auch ihm Gelegenheit, sich zu bedanken:
Die Zürcher Gruppe kraut_produktion schickt ihr Publikum in der Zürcher Gessnerallee mit "Herz der Finsternis" vom Tropenparadies in die Hölle einer deregulierten Konsumgesellschaft. Eine kluge Adaption von Joseph Conrads Romanvorlage.
SFD, Charlotte Staehelin
Dazu laufen unverständliche Filmzitate, Werbejingles und Musikfetzen von Alban Berg
über Michael Jackson bis John Zorn. Und wir, wir sind kurz interessiert und lange ennuyiert.
Wenig passiert, viel wirkt furchtbar konzipiert. Das Publikum ertrinkt in einem Wust aus Verweisen
und im Gebrumm der Bässe. Das soll wohl so sein: eine unsanfte Safari durch die globalisierte
Seelenlosigkeit. Aber das von der Wahrenwelt verwöhnte Ich lechzt nach Unterhaltung.
Tagesanzeiger, Alexandra Kedves
Hier setzt der Theaterabend an und tut dies radikal. Denn was auf der Oberfläche als kruder
Assoziationsmix aus Machokritik, Missionionsskabaret und einem ironischen Vorführen der
heutigen Werbe- und Markenwelt daher kommt, ist im Kern wesentlich mehr als das: Der Theaterabend
hat es auf unsere Wahrnehmung abgesehen. Er verweigert das Geschichtenerzählen, und damit das
Reproduzieren und Illustrieren alter Muster und Bilder. Er schafft einen athmosphärischen
performativen Raum, in dem Widersprüche und Brüche die Realität sind. Das ist so
schlüssig wie konsequent, und so aufregend wie trostlos.
DRS 2 aktuell, Dagmar Walser
Allerdings untergräbt sich der kritische Impetus in dieser Neuinterpretation bisweilen gleich
selbst wieder: wenn sich Schröders Theater derselben Mittel bedient, die es blossstellen will.
Und so entsteht statt der intendierten Parodie deshalb oft nur die subversive Wirkung einer
verdichteten Verdoppelung.
Neue Zürcher Zeitung, Bettina Spoerri
Regisseur Michel Schröder überzieht den Erzählstoff mit einer neuen Lesart. Und
bleibt ihm erstaunlicherweise absolut treu. In der Inszenierung des 38-jährigen Zürchers
wüten nicht mehr Conrads Missionare, Abenteurer und Entdecker am Kongo (stellvertretend
für den afrikanischen Kontinent). Sondern moderne Grosskonzerne, die Tourismusindustrie, die
Werbung, die mit der Sehnsucht nach Abenteuer und Ursprünglichkeit Kasse macht, oder das
anmassende Gutmenschengetue des Westens.
(...) Gut gemacht!
SFD, Charlotte Staehelin
Das erinnert doch verdächtig an l'art pour l'art....
P.S., Thierry Frochaux
Spiel:
Vivien Bullert
Thomas Douglas
Marisa Godoy
Thomas U. Hostettler
Ilja Komarov
Inszenierung & Musik: Michel Schröder
Bühnenbild: Duri Bischoff
Kostüme: Nic Tillein
Video: Roland Schmidt
Licht: Christa Wenger
Videoassistenz: Rahel Bärtschi
Produktionsleitung: Lukas Piccolin
Koproduktion: Theaterhaus Gessnerallee
Stadt Zürich Kultur
Fachstelle Kultur Kanton Zürich
Ernst Göhner Stiftung
HERZ DER FINSTERNIS
SCHLACHTPLATTEN
AMPHIBIENMENSCH
LUDWIG. HOHL
UNE SAISON EN ENFER
BACK TO THE ROOTS
QUIXOTE
STÜTZLI
CLOCKWORK ORANGE
PLAYBACK
KRAUTFLUT