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Herwig:
«Sieh dich mal an. Du bist doch kein Mensch mehr, wenn du dich gegen mich nicht mehr wehren
kannst. Schau mal: Du Hund, du hast meine Bibel zerrissen und hast mich getreten und du hast mich
ausgezogen und mir die Zähne eingeschlagen und hast gelacht über mein Blut und über
meine Schmerzen. Schämen solltest du dich! Siehst du? Du kannst dich gar nicht mehr gegen mich
wehren. Ja, ja, ach, komm nur mein Junge. Komm, ich nehme dich in die Arme. Schlaf. Ruh dich aus
und lass uns das Wort des Herrn hören. Weißt du, mein kleiner Alexander, strukturelle
Gewalt nennt man das heute. Du bist jetzt auf sozial erwünschte Handlungen programmiert, wie
so eine kleine Maschine, die nur noch Gutes tun kann. Aber ein Mensch, der nicht mehr selbst
wählen kann, was er tun will, ist eben kein richtiger Mensch mehr. Mein armer, armer Junge. Du
Opfer der neuen Zeiten. Du armes geopfertes Opfer! So wehr dich doch gegen mich. Mach endlich was,
du blödes Arschloch! Hau ab und verpiss dich! Asozialer Krüppel,
resozialisierter.»
Es ist laut, sehr laut in der roten Fabrik, Musik dröhnt in den Ohren und schnell
wechselnde und krude zusammen geschnittene Bilder aus Filmen, Computerspielen und Werbung machen
den Augen die Orientierung schwer. (...) Sie lassen sich von der Musik, sei's Techno, Schlager oder
Klassik aufpeitschen, fürs Publikum ist es eine Erleichterung, wenn diese mal nicht frontal ab
Band kommt, sondern auf der Bühne entsteht.
RADIO DRS 2
Die Heftigkeit, Direktheit und Ungeschminktheit, wie Michel Schröder die Sex' n'
Crime-Geschichte inszeniert, kratzt am Lack des Publikums. (...) Für die, die bis zum Schluss
blieben, präsentierte sich eine formal geglückte Interpretation eines schwer
auszuhaltenden Punkstücks.
P.S. DIE LINKE ZÜRCHER ZEITUNG
Wozu diese ganze Energie? Was erzählt es mir mehr, als dass da eben viel Energie produziert
wird? Ist es das, dass mir vorgeführt wird, wie Lautstärke, Affekt und Affirmation Gewalt
ausüben?
RADIO DRS 2
Ein (Horror-) Trip, ein schwarzes Gift. Selber schuld, wer nicht davon schlürft,
beziehungsweise snifft.
NZZ
Spiel:
Thomas U. Hostettler
Nils Torpus
Herwig Ursin
Sandra Utzinger
Roeland Wiesnekker
Inszenierung: Michel Schröder
Bühnenbild: Duri Bischoff
Kostüme: Nic Tillein
Video: Roland Schmidt
Regieassistenz: Martin Roth
Licht: Christa Wenger (blendwerk)
Produktion: Thomas Keller, GO Theaterproduktionen
In Koproduktion mit: Fabriktheater Rote Fabrik
Präsidialdepartement der Stadt Zürich, Fondation Nestlé pour l'art, Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Alexis Victor Thalberg-Stiftung, Stiftung Lis und Roman Clemens, Schweizerische Interpreten-Stiftung
Roth-Gerüste Regensdorf, Supravision AG, Freitag lab. AG
8. Dezember 2004 Fabriktheater Rote Fabrik Zürich